🤓 Das Wichtigste in Kürze
- Wer war Adolf Schlatter? Deutscher Theologe und Neutestamentler (1852–1938), einer der bedeutendsten Bibelausleger seiner Zeit.
- Was macht ihn besonders? Seine historisch-realistische Methode – er verbindet Textgenauigkeit mit theologischer Tiefe und fragt nicht nur nach Lehrsätzen, sondern nach dem Leben.
- Welche Werke sind verfügbar? Aktuell das Johannesevangelium (2 Kapitel online), weitere Evangelien und Briefe folgen 2026–2027.
- Warum in moderner Sprache? Schlatters Originalwerke sind sprachlich schwer zugänglich. Die Neubearbeitung erhält die theologische Substanz, macht sie aber für heutige Leser lesbar.
Der Mensch Adolf Schlatter
Leben und Wirken
Geboren am 16. August 1852 in St. Gallen (Schweiz), gestorben am 19. Mai 1938 in Tübingen. Dazwischen: Ein Leben für die Schrift.
Schlatter studierte in Basel und Tübingen. Er war Professor in Bern (1880), Greifswald (1888), Berlin (1893) und schließlich – für die längste Zeit – in Tübingen (1898–1930). Über 40 Jahre lehrte er Neues Testament.
Aber er war kein Professor im Elfenbeinturm. Er schrieb für Gemeinden. Für Bibelleser. Seine Kommentare nannte er “Erläuterungen zum Neuen Testament” – nicht für Fachleute, sondern “für Bibelleser”, wie er selbst sagte.
Seine theologische Position
Schlatter stand zwischen den Fronten. Er war konservativ, aber nicht fundamentalistisch. Er war wissenschaftlich, aber nicht liberal.
Die liberale Theologie seiner Zeit zerlegte die Bibel mit historisch-kritischen Methoden und zweifelte ihre Historizität an. Schlatter lehnte das ab. Für ihn war die Bibel Gottes Wort, zuverlässig und wahr.
Aber er lehnte auch einen naiven Biblizismus ab, der den Text ohne Kontext liest. Er fragte: In welcher Welt lebten die Verfasser? Welche Sprache sprachen sie? Was bedeuteten ihre Worte damals?
Man nannte ihn den “Realisten”. Nicht weil er die Wunder leugnete, sondern weil er die Realität ernst nahm – die Realität des Textes, die Realität der Geschichte, die Realität Gottes.
Seine Methode
Schlatter las die Bibel mit drei Fragen: Historische Frage: Was war die Situation?
- Wer war der Verfasser?
- An wen schrieb er?
- In welchem kulturellen Kontext stand er?
- Welche historischen Umstände wirkten auf ihn ein?
Theologische Frage:Was sagt der Text über Gott?
- Welche Wahrheit über Gott wird offenbart?
- Wie passt das zur gesamten biblischen Lehre?
- Welche theologischen Kategorien sind relevant?
- Was bedeutet das für die Dogmatik?
Praktische Frage:Was bedeutet das für das Leben?
- Wie wirkt sich das aus?
- Was fordert der Text von uns?
- Wie verändert diese Wahrheit unser Denken und Handeln?
- Welche geistliche Wirkung will Gott erzielen?
Diese Dreifachperspektive macht seine Auslegungen bis heute wertvoll. Er bleibt nicht bei der Historie stehen. Er bleibt nicht bei der Theorie stehen. Er führt zum Leben.
Seine Hauptwerke
Schlatter war unglaublich produktiv. Über 300 Bücher und Aufsätze. Kommentare zu fast allen neutestamentlichen Büchern. Dogmatische Werke. Philosophische Abhandlungen.
Seine wichtigsten Werke:
- Erläuterungen zum Neuen Testament (10 Bände, 1887–1910) – populäre Kommentare für Gemeinden
- Der Evangelist Johannes (1930) – sein Meisterwerk
- Der Evangelist Matthäus (1929)
- Die Theologie des Neuen Testaments (2 Bände, 1909–1910)
- Das christliche Dogma (1911)
- Die Geschichte des Christus (1920)
Viele dieser Werke sind heute noch lieferbar – aber schwer zu lesen. Deshalb diese Neubearbeitung.
Werke auf WORTWELT.net
Verfügbar
1. Das Johannesevangelium verstehen
Kerngedanke: Das tiefste Evangelium – zeigt nicht nur, was Jesus tat, sondern wer Jesus ist: Gott selbst, der Mensch wurde.
Johannes ist anders als die anderen Evangelien. Er denkt tiefer. Er schaut weiter. Er führt uns unmittelbar zu Jesus selbst – zum ewigen Wort, das Fleisch wurde.
Schlatters Auslegung erschließt dieses Evangelium Kapitel für Kapitel. Er zeigt den jüdischen Kontext. Er entfaltet die Theologie. Er führt zum Glauben.
Status: 2 Kapitel online (Joh 1,1–18 und 1,19–34)
Neue Kapitel: Wöchentlich
Geschätzter Abschluss: Ende 2025
In Vorbereitung
Das Matthäusevangelium verstehen
Kerngedanke: Jesus als der verheißene Messias Israels – das Evangelium der Erfüllung.
Matthäus schreibt für Leser, die das Alte Testament kennen. Er zeigt: In Jesus erfüllen sich die Prophezeiungen. Er ist der König, auf den Israel gewartet hat. Er ist der neue Mose, der das neue Gesetz verkündet.
Schlatters Auslegung zeigt den jüdischen Kontext meisterhaft. Er kennt das rabbinische Schrifttum. Er versteht die Erwartungen Israels. Er macht die Verbindung zwischen den Testamenten sichtbar.
Geplante Veröffentlichung: Frühjahr 2026
Umfang: Etwa 50–60 Kapitel
2. Das Markusevangelium verstehen
Kerngedanke: Jesus als der leidende Gottesknecht – das Evangelium der Tat.
Markus ist das kürzeste Evangelium. Aber es ist dynamisch. Es ist unmittelbar. Kaum Reden – dafür viel Handlung. Jesus wird gezeigt als der, der kam, um zu dienen und sein Leben als Lösegeld zu geben.
Schlatter betont die Leidenstheologie. Er zeigt, wie Markus das Kreuz vorbereitet. Er macht deutlich: Der Messias ist nicht der triumphierende König – jedenfalls noch nicht. Er ist erst der leidende Knecht.Hier den Text
Geplante Veröffentlichung: Sommer 2026
Umfang: Etwa 30–35 Kapitel
3. Das Lukasevangelium verstehen
Kerngedanke: Jesus als der Heiland der Welt – das Evangelium der Gnade.
Lukas ist der Historiker unter den Evangelisten. Er recherchiert. Er ordnet chronologisch. Er schreibt an einen gebildeten Leser (“hochgeehrter Theophilus”). Und er zeigt Jesus als den, der gekommen ist, das Verlorene zu suchen und zu retten.
Schlatters Auslegung würdigt die historische Sorgfalt des Lukas. Er zeigt die universale Perspektive (Jesus für alle Völker). Und er betont die Gnade – Lukas ist das Evangelium der Barmherzigkeit.
Geplante Veröffentlichung: Herbst 2026
Umfang: Etwa 50–55 Kapitel
4. Der Römerbrief verstehen
Kerngedanke: Die Gerechtigkeit Gottes durch Glauben – die systematischste Darstellung des Evangeliums.
Der Römerbrief ist Paulus’ theologisches Meisterwerk. Hier entfaltet er, was es bedeutet, dass Gott Menschen gerecht spricht – nicht durch Werke, sondern durch Glauben.
Schlatters Auslegung ist gründlich und tief. Er zeigt die jüdischen Voraussetzungen. Er entfaltet die Rechtfertigungslehre. Er macht die praktischen Konsequenzen deutlich.
Geplante Veröffentlichung: Winter 2026/27
Umfang: Etwa 25–30 Kapitel
5. Der Galaterbrief verstehen
Kerngedanke: Die Freiheit in Christus – das Evangelium gegen religiöse Gesetzlichkeit.
Der Galaterbrief ist Paulus’ leidenschaftlichster Brief. Er kämpft für die Wahrheit: Wir werden durch Glauben gerettet, nicht durch Gesetzeswerke. Die Christen in Galatien waren in Gefahr, zu einer gesetzlichen Religion zurückzufallen. Paulus stemmt sich dagegen.
Schlatters Auslegung macht die Brisanz deutlich. Es geht nicht um theologische Feinheiten. Es geht ums Evangelium selbst. Gesetz oder Gnade? Werke oder Glaube?
Geplante Veröffentlichung: 2027
Umfang: Etwa 10–12 Kapitel
Weitere geplante Werke
Langfristig sollen weitere neutestamentliche Bücher nach Schlatter folgen:
- Apostelgeschichte (die Missionsgeschichte der Urgemeinde)
- Korintherbrief (Gemeindeprobleme und ihre Lösungen)
- Epheserbrief (die Herrlichkeit der Gemeinde)
- Johannesbriefe (Wahrheit und Liebe)
- Offenbarung (die Vollendung der Geschichte Gottes)
Die Reihenfolge richtet sich nach Bedeutung für das Verständnis des Evangeliums und Nachfrage der Leser.
Warum Schlatter heute noch lesen?
Historische Gründlichkeit
Schlatter kannte den jüdischen Kontext wie kaum ein anderer. Er hatte rabbinische Literatur studiert. Er verstand die Erwartungen Israels. Er konnte zeigen, wie Jesus in diese Welt hineinsprach.
Das unterscheidet ihn von vielen modernen Kommentaren, die den jüdischen Hintergrund zu wenig beachten.
Theologische Klarheit
Schlatter war nicht nur Exeget, sondern auch Dogmatiker. Er konnte zeigen, wie ein Text zur gesamten biblischen Lehre passt. Er konnte theologische Zusammenhänge aufzeigen.
Das macht seine Auslegungen substanzreich. Man lernt nicht nur, was der Text sagt, sondern was er bedeutet.
Geistliche Tiefe
Schlatter las die Bibel nicht als neutraler Beobachter. Er las sie als Glaubender. Als einer, für den die Schrift Gottes Wort war. Lebendig und wirksam.
Diese geistliche Dimension fehlt vielen wissenschaftlichen Kommentaren. Bei Schlatter ist sie da.
Zeitlose Einsichten
Manche Kommentare sind nach 20 Jahren veraltet. Neue archäologische Funde. Neue sprachwissenschaftliche Erkenntnisse. Neue theologische Debatten.
Schlatter bleibt aktuell. Seine Grundeinsichten sind zeitlos. Seine Fragen bleiben relevant. Seine Antworten tragen.
Häufig gestellte Fragen
War Schlatter reformiert oder lutherisch?
Schlatter stand zwischen den Konfessionen. Er war in der reformierten Tradition aufgewachsen (Schweiz), lehrte aber an lutherischen Fakultäten (Deutschland). Er selbst sah sich als “evangelisch” im umfassenden Sinn. Theologisch stand er der reformierten Tradition näher, war aber nicht dogmatisch festgelegt.
Wie ist Schlatters Verhältnis zur historisch-kritischen Methode?
Schlatter lehnte die radikale historische Kritik ab, die die Bibel zerlegte und ihre Historizität anzweifelte. Aber er nutzte historische Methoden: Sprachstudium, Kontextanalyse, Quellenforschung. Sein Ansatz nannte er “historisch-realistisch” – historisch gründlich, aber mit der Voraussetzung, dass die Bibel wahr ist.
Sind Schlatters Auslegungen noch wissenschaftlich aktuell?
In den Grundeinsichten ja. Manche Details sind überholt (neue archäologische Funde, präzisere Sprachstudien). Aber seine Gesamtperspektive, seine theologischen Urteile und seine Textbeobachtungen bleiben wertvoll. Moderne Kommentare zitieren ihn bis heute respektvoll.
Für wen sind Schlatters Werke geeignet?
Für alle, die die Bibel ernsthaft studieren wollen. Keine speziellen Vorkenntnisse nötig – die Neubearbeitung macht die Texte zugänglich. Besonders wertvoll für: Prediger in der Vorbereitung, Bibelgruppen-Leiter, theologisch Interessierte, Studenten.
Wo finde ich Schlatters Originalwerke?
Viele sind als Nachdruck verfügbar (SCM R.Brockhaus, CLV). Einige sind online als PDF verfügbar (Projekt Gutenberg, Archive.org). Sie sind gemeinfrei (Public Domain), können also frei kopiert werden. Aber sie sind sprachlich schwer – daher diese Neubearbeitung.
Warum nicht einfach moderne Kommentare nutzen?
Moderne Kommentare haben ihre Berechtigung. Aber Schlatter bringt eine Perspektive, die selten geworden ist: Historische Gründlichkeit + theologische Tiefe + geistliche Wärme. Außerdem: Klassiker haben einen Vorteil – sie haben sich bewährt. Man weiß, dass sie tragen.
Bleibt die Neubearbeitung theologisch treu?
Ja. Die Substanz wird nicht verändert. Was sich ändert: Die Sprache wird moderner, die Struktur wird klarer, Hilfen werden hinzugefügt (FAQ, Kerngedanken, Querverweise). Bei theologisch strittigen Punkten werden auch andere Sichtweisen erwähnt.
Kann ich die Texte in Predigten verwenden?
Ja, ausdrücklich! Alle Texte sind für Predigt, Unterricht, Bibelgruppen, persönliches Studium frei verwendbar. Nur bei kommerzieller Nutzung (Buchpublikation, Verkauf) ist eine Genehmigung erforderlich. Ein Hinweis auf die Quelle wird erbeten, ist aber nicht zwingend.
Navigation
Zuletzt aktualisiert: November 2025





